Workingmom Part 1

Mavie geht nun seit vier Monaten zur Tagesmama und ich zur Arbeit. In letzter Zeit werde ich immer häufiger gefragt, wie es ihr und mir dabei ging und geht. Daher – nach viel zu langer Pause  – ein paar Worte zur emotionalen Seite der Medaille 🏅

Nachdem ich im letzten Sommer entschieden hatte, nach neun Monaten Elternzeit wieder arbeiten zu gehen, stand damit ebenfalls fest, das Mavie ab Oktober in die Fremdbetreuung gehen würde. Dass es eine Tagesmama werden soll, stand für mich schon lange vorher fest. In dem Alter kam ein Kindergarten für uns persönlich nicht in Frage. Was nicht heißen soll, dass Kigas per se schlecht sind – im Gegenteil. Da sie zu dem Zeitpunkt noch recht jung war, ging es mir mit einer Betreuung in einem familiären Umfeld einfach besser.

Mitte September startete die Eingewöhnung. Zwei Wochen hatten wir eingeplant. Wie naiv ich war, stellte sich schnell heraus. Statt lautem Kinderlachen gab es Tränen. Viele Tränen. Tränen auf beiden Seiten. Während sich Mavie mit der neuen Situation nicht so anfreunden konnte wie ich vorab unwissend angenommen hatte, lag ich Abend für Abend heulend im Bett und machte mir Vorwürfe ohne Ende. Ich stellte mich und meine Qualitäten als Mutter in Frage. War totunglücklich. Hatte Bedenken, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Dazu ein schlechtes Gewissen, weil ich die Situation mit Mavie & der Eingewöhnung vollkommen unterschätzt hatte -> #teamrabenmutter.

Das Gedankenkarussell nahm richtig Fahrt auf: auf einmal überkam mich die Angst, mit diesem Schritt alles an Vertrauen und Liebe zwischen meinem Kind und mir kaputt zu machen. Dafür verantwortlich zu sein, später kein gutes Verhältnis zu ihr zu haben usw. Tagelang prasselten Ängste, Sorgen, Nöte mit emotionalen Panikattacken auf mich ein, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können.

Mein Freund verstand plötzlich die Welt nicht mehr. Ich, die so gern wieder arbeiten gehen wollte, lag abendlich schluchzend im Bett und wollte am liebsten alles rückgängig machen, den Job kündigen, sich Mavie schnappen und weit wegrennen. Irgendwie schaffte er es dann doch, mich halbwegs zu beruhigen und bot an, eine Woche Homeoffice zu machen, damit wir die Eingewöhnung ohne Stress verlängern konnten. Thank god for this man!

Nach zwei Tagen verlängerter Eingewöhnung legte sich der Schalter um: Mavie fühlte sich rundum pudelwohl bei der Tagesmama, der Mittagsschlaf war kein Problem mehr, sie spielte mit den anderen Kindern und lachte genauso viel, wie man es von ihr kannte.

Damit kam dann schnell der Punkt an dem ich ehrlich zu mir sein musste:
1. Für unsere Mama-Tochter-Beziehung war das der erste Abnabelungsschritt von vielen, die da kommen werden. Und der tat weh, richtig weh. Abnabeln funktioniert in beide Richtungen und auch ich als Mama musste mich lösen; mir und meinem Kind zuliebe. Sagt sich so leicht, ist es aber nicht.

2. Die Kleinen bekommen emotional so viel mehr mit als man denkt. In dem Moment, in dem ich versucht habe, meinen Frieden mit der Situation zu machen und ruhiger wurde, beruhigte sich auch Mavie urplötzlich. Wie viel man (unbewusst) überträgt und wie viel die kleinen Antennen aufnehmen, ist wirklich erstaunlich.

Mittlerweile gehe ich ohne schlechtes Gewissen arbeiten und geniesse die Zeit, in der ich nur auf mich achten und nicht permanent ein Auge auf den kleinen Wirbelwind haben muss. Wenn ich Mavie dann bei der Tagesmama abhole passiert es mittlerweile nicht selten, dass sie sich zwar sehr freut mich zu sehen, mir aber offen signalisiert, dass ich gerade im Spiel störe und sie gern noch bleiben würde. In den Momenten muss ich manchmal zwar schlucken, tröste mich dann aber mit dem Gedanken, eine gute Entscheidung für uns Alle getroffen zu haben (auch wenn diese Anfangs wirklich weh tat).

Nächstes Mal dann mehr dazu, wie wir den Balanceakt zwischen Job – Kind – Studium und Familienleben (mal mehr und mal weniger gut) meistern. Stay tuned 🙂

One thought on “Workingmom Part 1

  1. Du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen – ich bewundere, wie du in Worte fassen kannst, was in meinem Herz und Kopf vorgeht!
    Ich fange im März wieder stundenweise an zu arbeiten, dann ist unser Nachwuchs 6 Monate alt. Auch wenn er dann von seinem Vater betreut wird und ich ihn da in den besten Händen weiß, graut mir schon jetzt vor dem Tag an dem ich 5 lange Stunden am Stück von ihm getrennt sein werde. Was wenn er genau in dieser Zeit seine ersten Krabbelversuche macht, sein erstes Wort spricht oder einfach nur weint, weil er unglücklich ist und ich bin nicht da um ihn zu trösten?! Wird er sich daran erinnern, dass ich von Stunde 0 bis Monat 6 jede Sekunde des Tages und der Nacht für ihn da war oder wird er sich von Mama allein gelassen fühlen? Und wann ist aus mir, der unabhängigen Frau, jemand geworden, der nicht mehr loslassen kann?! Ich hoffe sehr, dass unsere Abnabelung letztendlich auch so gut läuft, wie bei euch, auch wenn ich sicher bin, dass auch bei uns Tränen fließen werden – zumindest bei mir…

    1. Vielen Dank für deinen ehrlichen und emotionalen Kommentar. Ich freue mich sehr, wenn sich andere Mütter/Väter/Familien in dem wiederfinden, was uns 3en im Alltag passiert und besonders dann, wenn ich damit auch ein wenig Mut und Zuverishct geben darf. Schön, dass du hier bist!

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