Und dann kommt alles anders.

Am 27. Dezember 2018 stand die Welt um 12.17h für uns für einen Moment still, als sich unsere Tochter Mavie mit ihrem ersten kraftvollen und energischen Schrei mitten in unsere Herzen katapultierte. Morgen ist Mavie schon drei Wochen bei uns und während sie gerade ein Vormittagsschläfchen macht, habe ich das erste Mal Zeit, ein paar Zeilen zu schreiben und für mich ein Resümee zu ziehen. Die Redensart „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ trifft den Nagel für mich ziemlich auf den Kopf.

Natürlich hatte ich einen Plan im Kopf oder zumindest eine Vorstellung davon, wie die Schwangerschaft, die Geburt und auch die ersten Wochen ablaufen würden. Was davon ist eingetreten? Natürlich so gut wie nichts 🙂

Meine romantischen Gedanken in Verbindung mit der Schwangerschaft waren spätestens dann vorbei, als ich würgend über der Kloschüssel hang, dabei Thrombosestrümpfe trug und mein Gesicht von geplatzten Adern gezeichnet war (von meinen Waden wollen wir an der Stelle nicht reden). Meiner Kosmetik sei Dank, konnte ich letzteres zum Glück noch in den Griff bekommen. Sodbrennen, Verdauungsprobleme, Schlaflosigkeit usw. gaben sich irgendwann im Wechsel die Klinke in die Hand. Um ehrlich zu sein, war die Zeit, in der ich richtig gerne schwanger war, verdammt kurz. Vom ersten Tag an habe ich mich auf mein Kind gefreut und konnte es kaum abwarten, Mavie endlich in meinen Armen zu halten.. aber der Weg dahin war aus meiner Sicht recht mühsam.

Die Ärzte und mein Bauchgefühl prophezeiten mir, dass es vermutlich vor dem errechneten Entbindungstermin losgehen würde. Ich war nicht böse, denn gerade gegen Ende wurden die Beschwerden massiver und ich war es einfach leid, schwanger zu sein. Es kam wie es kommen musste.. Mavie ließ sich Zeit, meine Nerven langen blank und der Bauch wuchs und wuchs. Schlussendlich entschied man, bei ET+7 (am 27.12) einzuleiten. Auf der einen Seite erleichternd, da nun das Ende nahte, aber als Mutter auch zermürbend. Gedanken wie „Habe ich etwas falsch gemacht?“ kamen automatisch. Dabei hatte ich in den letzten Wochen tassenweise diesen ekelhaften Himbeerblättertee runtergewürgt, überall Zimt oder Ingwer draufgestreut, tägliche Spaziergänge gemacht, ihr gut zugeredet usw. Von Wehen war allerdings weit und breit nichts zu sehen – bis zum Morgen des 27.12. Dickkopf wie die Eltern, machte sich unsere Kleine dann wenige Stunden vor dem geplanten Einleitungstermin doch von alleine auf den Weg, als wenn sie uns sagen wollte „Einleitung? Ohne mich!“

In den Monaten vor der Geburt – man wusste es ja nicht besser – war ich hellauf begeistert von meinem Plan, ohne PDA oder andere Schmerzmittel zu entbinden. Ich hätte lieber meinen Mund gehalten, denn aus meinem Plan wurde dann leider (heute bin ich glücklich darüber) Realität. Als ich die Hebamme unter der Geburt beinahe angebettelt habe, etwas anderes als Buscopan zu bekommen und sie mir Globuli anbot, hätte ich ihr die Kügelchen am liebsten vor Wut an den Kopf geworfen. Rationales Denken unter der Geburt? Fehlanzeige! Gleiches gilt für das Zeitgefühl. Es war schlichtweg zu spät für Schmerzmittel wie eine PDA. Da half nur noch „Augen zu und durch“ – im wahrsten Sinne.

Und auf einmal war Mavie da und machte aus meinem Freund und mir Eltern und aus uns eine kleine Familie. Vielleicht kennen die Eltern unter euch die Frage ebenfalls, die mich in den Wochen vor der Geburt gequält hat: werde ich mein Kind so lieben, wie es das verdient hat? Die Antwort ist: JA!!! Die Liebe kam wie selbstverständlich in dem Moment über mich, in dem ich sie das erste Mal in den Armen hielt. Und es ist genau diese Liebe, die seitdem unser täglicher Antrieb ist, uns bei Tag & Nacht um dieses kleine hilflose Menschlein zu kümmern.

Wenn ich an Gespräche mit Freunden denke, die ich vor der Geburt geführt habe, muss ich oft laut lachen. Typisch Frau ohne Kinder, predigte ich:

1. Ein Kind gehört nicht ins Elternbett! Fakt ist, Mavie hat bisher keine einzige Nacht vollständig in ihrem Beistellbett geschlafen. Meistens sogar keine einzige Sekunde.

2. Man darf die Kleinen nicht zu sehr verwöhnen! Fakt ist, nach dem Waschen föhne ich Mavie mit dem warmen Föhn trocken (sie liiiiiiiiiiiiiiiiiebt es) und wenn sie Abends nicht in den Schlaf findet, kämme ich ihr stundenlang mit der kuschelweichen Babybürste ihren Kopf.

3. Man muss seinen Rhythmus beibehalten! LOL – welcher Rhythmus? 🙂 An manchen Tagen habe ich Mittags noch nichts gegessen, noch immer den Pyjama an und hocke vor einem Haufen schmutziger Wäsche, während ich parallel ausgespuckte Milch vom Boden wische, versuche Mavie zu beruhigen und die Windeln zu wechseln.

4. Man muss definitiv Zeit genug haben, seine WhatsApp-Nachrichten zu lesen und zu beantworten! Ich schäme mich heute für jeden negativen Kommentar, wenn Freundinnen – die vor mir Mütter geworden sind – tagelang mit einer Antwort auf sich haben warten lassen. ICH VERSTEHE EUCH JETZT! Es gibt definitiv Kinder, die super pflegeleicht sind, nicht spucken, schreien, regelmäßig schlafen, usw. Aber das ist die Ausnahme. An alle, die heute noch auf Antworten warten: bitte nehmt es mir nicht übel; die Zeit reicht einfach an den meisten Tagen nicht einmal, um in Ruhe zu duschen 🙂

Gestern war das Wetter hier in Österreich am Bodensee das erste Mal seit einer Ewigkeit wieder schön und wir machten uns auf den Weg zum See, um Sonne und frische Luft zu genießen. Zehn Minuten nachdem wir das Haus verlassen hatten, kam ich schon wieder zurück: auf dem linken Arm meine Tochter, die partout nicht im Kinderwagen liegen wollte und dort nur schrie wie am Spieß und mit dem rechten Arm den Kinderwagen schiebend. Zuhause setze ich Mavie in ihre Trage, schnallte sie mir vor die Brust und startete den zweiten – jetzt erfolgreichen – Versuch. Schon nach wenigen Metern schlief meine Kleine wie ein Stein.

Was ich sagen will? Ja, Planung ist das A und O mit einem kleinen Kind. Aber viel wichtiger sind für mich Flexibilität und Gelassenheit, die Dinge so anzunehmen wie sie sind. Ich halte nichts davon, ihr die Nähe zu verwehren, wenn sie diese so dringend benötigt und wenn das bedeutet, dass ich 5x täglich für eine Runde um den Block aufbreche, dann ist das für mich vollkommen in Ordnung. Mittlerweile bin ich clever genug, mir vorher ein Brot zu schmieren und beim Gehen zu essen. Denn in den Momenten habe ich ausnahmsweise die Hände einmal frei und Zeit, mein Brot in Ruhe zu essen und nicht runterzuschlingen 🙂

Es muss nicht immer neu sein.

Ich will ehrlich sein: wenn es bei mir um Kleidung ging, war mir lange (fast) nichts zu teuer. Natürlich gab es immer gewisse Stücke, bei denen ich ein paar Wochen nachgedacht habe. In den meisten Fällen bin ich letzten Endes aber doch leicht berauscht, mit niedrigerem Kontostand und einer Tasche/Jacke/usw. mehr aus dem Laden gegangen, ohne die ich NATÜRLICH nicht leben konnte.

Das änderte sich nach und nach, je mehr ich mich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Zero Waste usw. auseinandersetzte und auch je älter ich wurde. In einem schleichenden Prozess wurden andere Dinge wichtiger und der Drang, noch eine weitere teure Handtasche von MCM usw. zu besitzen, verschwand. Nicht nur bei meinen vielen Bergwanderungen sind andere Dinge wesentlich wichtiger geworden 🙂 Mode bedeutet mir noch immer viel. Trends zu verfolgen und meinen Stil zu unterstreichen, macht mir Freude – aber es muss eben nicht mehr die Marke YXZ sein, die in meinem Kleiderschrank hängt.

Mit der Schwangerschaft kam dann schnell der Punkt, an dem Hosen unbequem wurden, Oberteile zu kurz waren und ich mich in meinen normalen Sachen nicht mehr wohlfühlte. Eine kurze Internetrecherche später hätte ich das iPad vor Wut fast an die Wand geworfen. Ja: ich wollte gerne trotz Schwangerschaft noch vernünftig aussehen. Mein Modebewusstsein verschwand ja nicht urplötzlich mit wachsendem Bauch. Aber: Die Preise, die für Umstandsmode verlangt werden, raubten mir bald den Atem.

Dann fiel mir etwas ein. Eine Freundin hatte mir vor einiger Zeit erzählt, dass es ein Pendant zur deutschen Online-Kleidertauschbörse „Kleiderkreisel“ gibt: die Online-Plattform „Mamikreisel“. Vom Namen mal abgesehen eine super Sache, denn dort erwartete mich ein riesen Angebot an gebrauchter aber oftmals neuwertiger Umstandsmode, für die kein Vermögen fällig war.

Schlussendlich habe ich mich mit einigen gebrauchten, ein paar geliehenen oder geschenkten und wenigen neuen Teilen eingedeckt und bin damit sehr zufrieden. Und – schwer zu glauben, dass ich das sage – ich merkte, dass ich mit viel weniger Auswahl genauso zufrieden war wie mit großer. Zumindest stand ich in den vergangenen Monaten kein einziges Mal vor dem Kleiderschrank und wusste vor lauter Auswahl nicht, was ich anziehen soll 🙂

Als es dann an die Erstausstattung unserer Tochter ging, haben mein Freund und ich das ähnlich gehandhabt. Sicher, ein paar Dinge – wie z.B. die Babyschale – wollten wir alleine aus Sicherheitsgründen nicht gebraucht kaufen. Aber Dinge wie Kleidung gibt es „gebraucht“ in Hülle und Fülle und was gebraucht bei Säuglingen und Kleinkindern heißt, wissen die meisten von uns: oft nur 3x getragen, bis die Winzlinge nicht mehr hineinpassen.

Am Ende des Tages war ich sogar ein wenig stolz auf uns, wie konsequent und einfach wir viele Dinge umsetzen konnten und wie viele Ressourcen wir sparten (neben Materialien auch jede Menge Zeit und Geld).

Was mich dann aber aus den Socken haute, war die Reaktion einer Freundin. Als ich von meinen Erfahrungen erzählte, fragte sie mich spontan, ob wir jetzt aufgrund der bevorstehenden Elternzeit Geldsorgen hätten und daher sparen müssten.

Die Frage machte mich beinahe sprachlos und es schockiert mich noch jetzt Monate danach, dass ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen – der oftmals automatisch mit Geldeinsparungen verbunden ist – sofort mit Geldnöten gleichgesetzt wird. Schade, dass wir gesellschaftlich noch an dem Punkt sind. Umso wichtiger ist und bleibt mir, weiterhin offen und ehrlich über Themen wie diese zu reden und zu schreiben und so zumindest einen kleinen Beitrag zu mehr Aufklärung zu leisten.

 

 

 

Bildquelle: Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Zwei rosa Striche, die deine Gedanken auf den Kopf stellen.

Freitag der 13. Ein Tag, der im Volksglauben als der Tag gilt, an dem besonders viele Unglücke passieren. Und auch wenn ich nicht zu den abergläubischen Menschen gehöre: eine gewisse Vorsicht habe sogar ich an diesen Tagen walten lassen. Wie gut, dass „Freitag der 13.“ für meinen Freund und mich seit diesem Jahr nun alles andere als negativ belastet ist. Denn an einem der besagten Unglückstage schimmerten uns zwei rosa Striche in einem weissen Fenster entgegen, wirbelten unser Leben gehörig durcheinander und machten damit „Freitag den 13.“ zu unserem persönlichen Glückstag.

Ich habe mich immer gefragt, wie ich in dieser Situation reagieren werde und was soll ich sagen: es war anders als gedacht (wie so oft 🙂 ). Auch wenn es mir schon vor dem Test klar war – man kennt ja seinen Körper – dass wir ein Baby bekommen, ist es in dem Moment, in dem man es quasi rosa auf weiss vor sich hat, doch noch eine ganz andere Nummer. Und so schwankte meine Reaktion im Sekundentakt zwischen Lachanfällen, Tränen, ungläubigem Schweigen und einer noch nie empfundenen Wärme im Bauch, die mich seitdem meinen Bauch täglich zärtlich streicheln lässt.

Während ich diesen Beitrag schreibe, bin ich kurz vor der 39 SSW und das Ende naht. Diesem „Ende“ sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Ja, ich habe eine gehörige Portion Respekt vor der Geburt und den ersten Tagen. Aber auch ein tiefes Urvertrauen in meinen Körper und in das Programm, was er seit über 9 Monaten automatisch für mich fährt und weiterhin fahren wird.

Dieses Urvertrauen geht heute vielfach verloren. Vorbereitungskurse und passende Lektüre schaden sicher nicht, aber sie werfen oft auch mehr Fragen auf, als sie beantworten. Würde meine Oma noch leben, sie würde sicher den Kopf schütteln über mich und andere Frauen in der Situation. Sie würde sich wundern, wieso wir so viel Zeit damit verbringen uns auf etwas vorzubereiten, dass evolutionär perfekt ausgeklügelt ist und für das der weibliche Körper geschaffen wurde.

Ich glaube keine Generation hat sich je intensiver mit dem ganzen Thema beschäftigt und sich mehr Gedanken und Sorgen gemacht und daher habe ich es bei einem Kurs belassen, nur ein Buch gelesen und beschlossen, den Rest auf mich zukommen zu lassen. Wenn ich am Ende etwas nicht weiss oder unsicher bin, frage ich meine Mutter oder meine Hebamme. Unsere Tochter wird uns die kleinen Fehler und das ungeschickte Wickeln verzeihen. Denn sie wird uns nicht vergleichen und daher sind wir für sie die besten Eltern, die sie je hatte. Und das auch mit falsch zugeknöpftem Body.