Es muss nicht immer neu sein.

Ich will ehrlich sein: wenn es bei mir um Kleidung ging, war mir lange (fast) nichts zu teuer. Natürlich gab es immer gewisse Stücke, bei denen ich ein paar Wochen nachgedacht habe. In den meisten Fällen bin ich letzten Endes aber doch leicht berauscht, mit niedrigerem Kontostand und einer Tasche/Jacke/usw. mehr aus dem Laden gegangen, ohne die ich NATÜRLICH nicht leben konnte.

Das änderte sich nach und nach, je mehr ich mich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Zero Waste usw. auseinandersetzte und auch je älter ich wurde. In einem schleichenden Prozess wurden andere Dinge wichtiger und der Drang, noch eine weitere teure Handtasche von MCM usw. zu besitzen, verschwand. Nicht nur bei meinen vielen Bergwanderungen sind andere Dinge wesentlich wichtiger geworden 🙂 Mode bedeutet mir noch immer viel. Trends zu verfolgen und meinen Stil zu unterstreichen, macht mir Freude – aber es muss eben nicht mehr die Marke YXZ sein, die in meinem Kleiderschrank hängt.

Mit der Schwangerschaft kam dann schnell der Punkt, an dem Hosen unbequem wurden, Oberteile zu kurz waren und ich mich in meinen normalen Sachen nicht mehr wohlfühlte. Eine kurze Internetrecherche später hätte ich das iPad vor Wut fast an die Wand geworfen. Ja: ich wollte gerne trotz Schwangerschaft noch vernünftig aussehen. Mein Modebewusstsein verschwand ja nicht urplötzlich mit wachsendem Bauch. Aber: Die Preise, die für Umstandsmode verlangt werden, raubten mir bald den Atem.

Dann fiel mir etwas ein. Eine Freundin hatte mir vor einiger Zeit erzählt, dass es ein Pendant zur deutschen Online-Kleidertauschbörse „Kleiderkreisel“ gibt: die Online-Plattform „Mamikreisel“. Vom Namen mal abgesehen eine super Sache, denn dort erwartete mich ein riesen Angebot an gebrauchter aber oftmals neuwertiger Umstandsmode, für die kein Vermögen fällig war.

Schlussendlich habe ich mich mit einigen gebrauchten, ein paar geliehenen oder geschenkten und wenigen neuen Teilen eingedeckt und bin damit sehr zufrieden. Und – schwer zu glauben, dass ich das sage – ich merkte, dass ich mit viel weniger Auswahl genauso zufrieden war wie mit großer. Zumindest stand ich in den vergangenen Monaten kein einziges Mal vor dem Kleiderschrank und wusste vor lauter Auswahl nicht, was ich anziehen soll 🙂

Als es dann an die Erstausstattung unserer Tochter ging, haben mein Freund und ich das ähnlich gehandhabt. Sicher, ein paar Dinge – wie z.B. die Babyschale – wollten wir alleine aus Sicherheitsgründen nicht gebraucht kaufen. Aber Dinge wie Kleidung gibt es „gebraucht“ in Hülle und Fülle und was gebraucht bei Säuglingen und Kleinkindern heißt, wissen die meisten von uns: oft nur 3x getragen, bis die Winzlinge nicht mehr hineinpassen.

Am Ende des Tages war ich sogar ein wenig stolz auf uns, wie konsequent und einfach wir viele Dinge umsetzen konnten und wie viele Ressourcen wir sparten (neben Materialien auch jede Menge Zeit und Geld).

Was mich dann aber aus den Socken haute, war die Reaktion einer Freundin. Als ich von meinen Erfahrungen erzählte, fragte sie mich spontan, ob wir jetzt aufgrund der bevorstehenden Elternzeit Geldsorgen hätten und daher sparen müssten.

Die Frage machte mich beinahe sprachlos und es schockiert mich noch jetzt Monate danach, dass ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen – der oftmals automatisch mit Geldeinsparungen verbunden ist – sofort mit Geldnöten gleichgesetzt wird. Schade, dass wir gesellschaftlich noch an dem Punkt sind. Umso wichtiger ist und bleibt mir, weiterhin offen und ehrlich über Themen wie diese zu reden und zu schreiben und so zumindest einen kleinen Beitrag zu mehr Aufklärung zu leisten.

 

 

 

Bildquelle: Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in unserem Leben.

Die Umwelt und alle damit verwandten Themen lagen mir schon immer am Herzen. Wie hätte es auch anders sein sollen: meine Mutter gehörte schon in meinen Kindheit zu den Menschen, die nur mit dem guten alten Juttebeutel einkaufen gingen, Joghurt sowie Käse selber herstellten und ihr Waschmittel mit einem Bio-Baukastensystem zusammenstellten. Vielleicht kennt ihr die Wissenschaftssendung „Hobbythek“ mit Jean Pütz noch, welche bis 2004 ausgestrahlt wurde. Meine Mutter – so schien es mir – war eindeutig einer seiner grössten Fans 🙂

So ging ich die ersten drei Jahrzehnte meines Lebens zwar mit einem guten Umweltbewusstsein durch die Welt – verfolgte das Thema für mich allerdings nicht weiter. Teils aus Bequemlichkeit und teils aus Unwissenheit. Dann folgten kurz hintereinander vier Ereignisse, die mich umdenken liessen.

1. Auf einer Sportreise nach Marbella teilte ich mir ein Zimmer mit einer zunächst fremden jungen Frau: Franzi. Franzi – ein herzensguter lustiger Mensch sowie Anhänger der Zero-Waste-Bewegung – wurde schnell zu einer Freundin, die mir Zero-Waste näher brachte.

2. Ich begann in Liechtenstein zu arbeiten und wurde – von Urlauben oder Dienstreisen mal abgesehen – das erste Mal mit einem mir sehr fremden Mülltrennungssystem sowie einer völlig anderen Denke in dem Zusammenhang konfrontiert.

3. Zur gleichen Zeit zog ich nach Österreich. An meinem neuen Wohnort gibt es keine Mülltonnen, wie ich sie aus Deutschland kenne. Je Müllart (Rest-, Bio- oder Plastikmüll) gibt es eine Sorte Tüten, welche man sich im Supermarkt kaufen muss. Diese Tüten werden dann im 1- oder 2-Wochen-Turnus an die Strasse gestellt und abgeholt. Das Prinzip „Deckel auf, Müll rein, Deckel zu“ ohne zu wissen, wie viel Müll man nun eigentlich bereits angesammelt hatte, funktionierte nun nicht mehr und die Müllmenge, die regelmässig an die Strasse gestellt wurde, schockierte mich ernsthaft.

4. Ich wurde schwanger! Wieso das was an meiner Einstellung änderte? Ich kann es nicht genau sagen. Vielleicht sind schlussendlich auch die Hormone – die kleinen Biester die es einem eh schon schwermachen in der Zeit 🙂 – Schuld gewesen.

Mit jedem der Ereignisse begann ich mich also intensiver mit Einflussfaktoren auf die Umwelt, Nachhaltigkeit und angrenzenden Themen zu beschäftigen und fand sogar mehr und mehr Spass daran. An der Stelle geht ein grossen DANKE an meinen Freund, der meine Projekte nie belächelt hat oder belächelt, sondern fast alles (bei Haarseife hört es bei ihm momentan noch auf 🙂 ) tatkräftig unterstützt.

Und so fand in vielen Bereichen ein leichteres und nachhaltigeres Leben bei uns Einzug: Wasch- und Reinigungsmittel, der wöchentliche Einkauf, Kosmetik und Körperpflege sowie das spätere Wickeln unserer Tochter sind einige der Themen, die ich in den nächsten Wochen gerne mit euch teilen und näher beleuchten möchte. Vieles ist ohne Aufwand und Extraarbeit umzusetzen und spart am Ende des Tages sogar Geld.

Wie steht ihr zum Thema Nachhaltigkeit? Gab es bei euch ebenfalls irgendwann ein Umdenken und wenn ja, durch welche Trigger verursacht? Ich freue mich auf euer Feedback.