Der erste Monat mit Baby. Ein ehrlicher Rückblick.

Morgen ist Mavie 6 Wochen bei uns. Der erste Monat ist rückwirkend nur so an mir vorbeigerauscht. Und das, obwohl es genug Tage bzw. Momente gab, wenn ich das schreiende Bündel auf meinem Arm nicht zur Ruhe bekommen habe, in denen sich die Minuten wie Kaugummi zogen.

Ich liebe meine Tochter mit jeder Faser meines Herzens und ich bin so unendlich stolz, dieses kleine Wunder 9 Monate in mir getragen und zur Welt gebracht zu haben. Dennoch war der erste Monat körperlich und emotional alles andere als leicht und ich habe mit vielen Dingen nicht gerechnet. Es gab Tage (besonders Abende) an denen ich vollkommen erschöpft, mit Tränen überströmt auf dem Sofa gesessen habe und einfach nicht mehr konnte. Ich hatte das Gefühl, als Mutter vollkommen zu versagen und die einzige Person auf Erden zu sein, die sich mit der neuen Situation gerade überfordert fühlt. An dem Punkt habe ich angefangen mit anderen Müttern über meine Gefühle zu sprechen und siehe da: es ging in der ersten Phase vielen so und die Gespräche gaben mir schnell neue Kraft und mein Selbstvertrauen wieder.

Es ist schade, dass über diese gemischten Gefühle, die Tränen, die Überforderung in der Anfangsphase selten ehrlich gesprochen wird und daher habe ich beschlossen, damit offen umzugehen um damit vielleicht anderen Müttern Mut zu machen.

9 Monate Schwangerschaft, eine Geburt, Hormonchaos ohne Ende, plötzlich wie rausgerissen aus dem alten Leben mit Job, Sport, Freunden usw. .. sitzt man plötzlich mit einem Säugling alleine Zuhause! Ich hatte wirklich Angst vor dem Tag, an dem mein Freund wieder zur Arbeit musste. Angst, etwas falsch zu machen, es alleine nicht zu schaffen.

Die Kinderärztin nennt Mavie liebevoll „sehr energetisch“. Heißt im Klartext, dass das kleine Mini-Mädchen nach mir kommt. „Oh Gott“, wird sicher der ein oder andere nun sagen 🙂 Und so protestiert Mavie direkt, wenn ihr etwas nicht passt. Wenn andere Babys sich mit ihren Protesten steigern, brüllt unsere Kleine sofort lautstark und wird innerhalb von Sekunden rot wie ein Krebs. Und dann spult man das komplette Programm ab: es wird gestillt, es werden Windeln gewechselt, es wird geschunkelt und getragen und geredet und gesungen usw. und an manchen Tagen hilft einfach nichts davon. Sie schreit auf dem Arm, schreit noch viel schlimmer, wenn man sie kurz weglegt, um wenigstens auf Toilette zu gehen. Man rennt zum Kinderarzt und lässt prüfen, ob organisch alles in Ordnung ist. Die Diagnose „alles wie es sein soll“ ist natürlich der Idealzustand, hilft einem in den Schreiphasen dennoch nicht weiter. Man durchforstet in den Stillpausen mit der einen freien Hand das Internet, ist danach nur noch gefrustet und fühlt sich hilflos und alleine.

Nach wenigen Tagen tat mir dann der ganze Rücken weh und ich konnte mich kaum noch bewegen. Klar, meine Muskeln waren das Gewicht auf den Armen und die dauernd nach vorne gebeugte Haltung einfach nicht gewohnt. Dazu ein Beckenboden, der erst einmal wieder einer werden möchte, Bauchmuskeln, die zunächst zusammenwachsen müssen und ein Körper, der durch den Eisenmangel und den Schlafentzug nur auf Sparflamme läuft.

Und dann sitzt man an manchen Tagen dort… im Schlafanzug am Mittag, mit Milchkotze in den Haaren/auf dem Sofa/dem Fußboden/auf dem Baby, ohne nennenswerte Mahlzeit im Magen, mit wunden Brustwarzen und geschwollenen schmerzenden Brüsten, mit den verrücktesten Stimmungsschwankungen verursacht durch die hormonelle Veränderung, vor einem Berg dreckiger Wäsche, einem leeren Kühlschrank und 20 unbeantworteten WhatsApp-Nachrichten und fängt an, an seinen Qualitäten als Mutter zu zweifeln und auch zu verzweifeln und sich einsam zu fühlen.

Wir wohnen unglaublich schön: im 4-Länder-Eck am Bodensee mit Blick auf die Alpen. Missen möchte ich diese Aussicht nicht. Und doch hat sie aktuell ihren Preis: unsere Familien sind ca. 650km entfernt und daher sind wir in vielen Dingen auf uns alleine gestellt. „Stellt dich nicht so an“, mag nun Jemand denken. Sicher, machbar ist alles und am Ende des Tages machen wir als Paar mit Freunden vor Ort alles möglich. Dennoch bleibt in den Momenten eine Leere, die nur die Familie füllen kann. Der Preis, den wir für diese Landschaft und die Lebensqualität hier in Vorarlberg, Österreich momentan zahlen.

„Es wird besser“ haben mir alle gesagt und auch wenn ich es in den Momenten nicht glauben wollte: sie hatten Recht. Ich musste nicht mit Mavie, sondern in erster Linie mit mir geduldig sein. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und mittlerweile – 6 Wochen danach – sind viele Handgriffe längst Routine, das Windeln wechseln klappt im Dämmerlicht, Duschen funktioniert im Schnelldurchgang, Dinge mit den Füßen aufheben ist lange keine Schwierigkeit mehr und die Rückenmuskulatur hat sich an die neue Belastung gewöhnt. Nur mit dem Milchabpumpen tue ich mich noch immer schwer; komme mir dabei einfach vor wie eine Kuh an der Melkmaschine 🙂

Doch solange es nur das ist, kann ich damit gut leben. Und die Augenringe, die viele Wäsche und auch die Tränen werden immer wieder und wieder belohnt. Mit jedem Lachen, Lächeln, Glucksen und ihrem ruhigen Atem, wenn Mavie auf meiner Brust einschläft. In den Momenten weiß ich, dass wir es richtig machen und weiterhin machen werden und freue mich auf alles das, was da noch kommen mag.

One thought on “Der erste Monat mit Baby. Ein ehrlicher Rückblick.

  1. Liebe Maylin,
    ich stehe noch ganz am Anfang meiner ersten Schwangerschaft und kann so gut nachvollziehen, wie es die ging. Obwohl unser Kind ein geplantes und absolutes Wunschkind ist (oder sein wird), waren die Momente, in denen ich mich richtig gefreut habe und in denen es mir super gut ging bisher eher in der Unterzahl.
    Die körperliche Umstellung, die Sorgen und Ängste, die man dann doch nicht so richtig verbalisieren kann und die großen Fragezeichen im Kopf überschatten dann doch häufig das „Wunder des Lebens“.
    Es beruhigt mich zu lesen, dass man als Frau nicht alles super finden muss, was die Natur so vergesehen hat und ich hoffe sehr, dass am Ende unser hoffentlich gesundes Baby diese Phase 1.000fach wieder wett machen wird.
    Ich werde Deinen Blog aufmerksam weiter verfolgen und wünsche Dir und Mavie eine spannende und glückliche Zeit.
    Liebe Grüße aus deiner alten Heimat
    Kim

    1. Hallo Kim,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich jedes Mal riesig, wenn sich Jmd. in den Beiträgen wiederfindet und ich manchmal auch etwas Mut machen kann. Mir ist es ein Anliegen ehrlich zu sein und es ist eben leider so, dass viele Frauen keine Traum-Schwangerschaft oder Geburt erleben und sich dann einfach nicht trauen, dadrüber zu reden. Das macht es eigentlich aus meiner Sicht noch schlimmer, da man schnell das Gefühl bekommt, „alleine“ zu sein.

      Sei dir gewiss, dass euer Baby ganz ganz viel vergessen machen wird. Das hat die Natur gut eingerichtet 🙂 Mittlerweile erschütetrt mich nicht mehr viel. Die Nerven werden dicker und man gewöhnt sich an vieles und bald spielt sich Routine ein.

      Wünsche Dir eine schöne restliche SS und ganz viel Kraft für die Geburt.
      Alles Liebe, Maylin

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